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Fremdsprachenunterricht an Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Akademien

Koordination: Martin Stegu martin.stegu@wu-wien.ac.at Barbara Seidlhofer barbara.seidlhofer@univie.ac.at
mit Beiträgen von: Ute Smit, Julia Hüttner, Renate Neuburg, Margarete Kernegger, Désirée Verdonk

In Analogie zur Vorgangsweise der Arbeitsgruppe 1, die sich hauptsächlich mit dem schulischen Fremdsprachenunterricht befasst, soll hier eine Bestandsaufnahme des Fremdsprachenunterrichts an Universitäten bzw. auch an Fachhochschulen und Pädagogischen Akademien erfolgen. Dabei ist zwischen verschiedenen Formen von verpflichtender Sprachausbildung (Philologien, ÜbersetzerInnen- und DolmetscherInnenausbildung, Wirtschaftsstudien usw.), fakultativen Zusatzangeboten ("Englisch für Mediziner", studienvorbereitende und - begleitende DaF-Kurse, diverse Sprachkurse für "HörerInnen aller Fakultäten" usw.) sowie dem sich auch und ganz besonders im Hochschulbereich immer mehr verbreitenden Phänomen von "Fremdsprachen als Unterrichtssprachen" zu unterscheiden. Neben einer Bestandsaufnahme will auch diese Arbeitsgruppe versuchen, verschiedene mögliche Schwachpunkte im Status quo aufzudecken und in einem Forderungskatalog konkrete Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.

1. Der Fremdsprachenunterricht an Hochschulen: zum status quo

Verglichen mit dem Pflicht- und Sekundarschulbereich ist die Situation des Fremdsprachenunterrichts an Universitäten und Fachhochschulen bzw. - ganz allgemein - im tertiären Bereich aus den verschiedensten, teilweise historisch bedingten Gründen noch um vieles heterogener. Prinzipiell sind folgende Möglichkeiten der Einbindung von Fremdsprachen, insbesondere deren Erlernung, in Hochschulstudien gegeben:

  1. Fremdsprachen als Gegenstand des Studiums: dies ist etwa bei den philologischen Studienrichtungen der Fall (in einem etwas weiteren Sinn auch beim Übersetzungs- / Dolmetschstudium), wobei der eigentlich theoretische Studienbestandteil immer auch durch sprachpraktische Kurse ergänzt wird. Ebenso ist es auch möglich, im Rahmen der Ausbildung der HauptschullehrerInnen an einer Pädagogischen Akademie Englisch (bzw. - geographisch beschränkt - auch Volksgruppensprachen) als Unterrichtsgegenstand zu wählen.
  2. Fremdsprachen als obligatorischer Bestandteil des Studiums: Fremdsprachen sind hier nicht eigentliches Studienobjekt, Zentrum des Studiums sind vielmehr ganz andere Inhalte - da aber Fremdsprachen sowohl für das Studium als auch besonders für die anvisierten Berufsfelder als unverzichtbar angesehen werden, sind sie in unterschiedlichen Formen als obligatorische und prüfungsrelevante Anforderungen in die Studienpläne integriert. In einer utopischen Sichtweise ließe sich fragen, ob eine derartige Integration heutzutage nicht für alle Studien denkbar, ja notwendig wäre; de facto ist dies heute in einigen, eher wirtschaftlich orientierten Studienrichtungen in zwei Ausformungen realisiert. Die erstere verlangt von den Studierenden eine gewisse Anzahl an Pflichtstunden in einer Fremdsprache - meistens Englisch - zu absolvieren (wie z.B. an der Universität für Bodenkultur Wien oder der Montanistischen Universität Leoben), die aber mehr oder weniger frei gewählt werden können und nicht vollkommen in die Studienpläne integriert sind. Studien der anderen Ausprägung verpflichten Studierende zu ganz spezifischen Sprachkursen, die je nach Umfang neben einer allgemeinsprachlichen Grundausbildung auch eine besondere fachsprachliche Orientierung beinhalten (wie z.B. an der Wirtschaftsuniversität Wien und SOWI-Fakultäten).

    An allen Fachhochschul-Studiengängen (Ausbildungsbereiche: Wirtschaft, Tourismus, Technik, Informationswesen, Medien und Design) ist Englisch integraler Pflichtbestandteil des Studienplanes, wobei der Mindestumfang 12 Semesterwochenstunden, aufgeteilt auf acht Semester, beträgt. Zusätzlich ist an vielen Studiengängen (z.B. im Bereich Tourismus oder Wirtschaft aber auch an technisch orientierten Studiengängen) eine zweite Fremdsprache vorgeschrieben.

    Eine gewisse Sonderstellung nimmt in diesem Bereich die verpflichtende Englischausbildung für zukünftige Volks-und SonderschullehrerInnen ein; obwohl die Fremdsprache nicht Hauptgegenstand des Studiums ist, ist die Relevanz für Studierende doch deutlich für ihre angestrebten Berufe definiert, in denen sie neben anderen Fächern auch Englisch unterrichten werden. (Auch hier soll wieder der Sonderfall der Volksgruppensprachen erwähnt werden: [Burgenland-] Kroatisch, Slowenisch, Ungarisch, Tschechisch, aber auch Bosnisch/Kroatisch/ Serbisch, Türkisch.)

  3. Fremdsprachen als fakultativer Bestandteil des Studiums: In all den Fällen, in denen Fremdsprachen nicht obligatorische Studienelemente sind, besteht die Möglichkeit, Fremdsprachen fakultativ im Rahmen von durch die Hochschulen angebotenen Kursen (u.U. auch nur im Selbststudium an universitären Sprachlaboren" u.ä.) zu erlernen.

    Die Übergänge zwischen fakultativ" und obligatorisch" (siehe Punkt 2) sind allerdings fließend; es wäre auch zu unterscheiden zwischen Studienrichtungen, in denen Sprachen grundsätzlich nur fakultativ zu erlernen sind (einige der technischen, naturwissenschaftlichen oder medizinischen Fächer), und solchen, in denen neben obligatorischen Sprachen noch weitere zusätzlich belegt werden können (Wirtschafts- oder Bodenkulturstudien, Fachhochschul-Studiengänge, Pädagogische Akademien).

    Ein wesentlicher Punkt, auf den auch weiter unten noch näher einzugehen sein wird, ist die Frage nach der institutionellen Einbindung dieser fakultativen Kurse: Handelt es sich um Kurse, die an sich für andere Fächer obligatorisch sind, aber eben auch von fachfremden" Studierenden besucht werden? Oder sind die Kurse von vornherein als fakultativ konzipiert (vgl. die klassischen Sprachlehrveranstaltungen für HörerInnen aller Fakultäten")? Werden die Kurse von der eigenen Fakultät, von der eigenen Hochschule usw. oder von anderen Hochschuleinrichtungen (Stichwort: Mitbelegung") angeboten? In einer umfassenden Erhebung wären auch außeruniversitäre Sprachlernangebote zu berücksichtigen, die von Studierenden bevorzugt wahrgenommen werden.

  4. Fremdsprachen als Voraussetzung für das Studium: Hier ist zu erwähnen, dass im für den Beginn eines Universitätsstudiums und Fachhochschulstudiums auf jeden Fall die Kenntnis einer lebenden Fremdsprache (im allgemeinen durch das Maturazeugnis) nachgewiesen werden muss. Auch wenn hier die lebenden Fremdsprachen im Mittelpunkt stehen, soll auch auf die verschiedenen Regelungen betreffend Latein hingewiesen werden.

    An dieser Stelle seien auch auf die notwendigen Deutschkenntnisse erwähnt, die ausländische Studierende nicht-deutscher Muttersprache" nachweisen bzw. vor dem Antritt des eigentlichen Studiums im sogenannten Vorstudienlehrgang" erwerben müssen. Als Beispiel sei hier der Vorstudienlehrgang der Wiener Universitäten genannt, ein Universitätslehrgang für internationale Studierende zur intensiven Vorbereitung auf die Ergänzungsprüfung aus Deutsch (und/oder anderen Fächern). Besonders hervorhebenswert scheint der Anspruch diese Lehrgangs, den Studierenden einen effizienten Aufbau von Sprachkenntnissen in Verbindung mit wissenschaftskultureller Kompetenz zu ermöglichen: siehe auch http://www.vwu.at/. Schließlich gibt es noch die weiterführenden, studienbegleitenden DaF-Angebote, deren Anzahl aber als zu gering bezeichnen ist.

  5. Fremdsprachen als Unterrichtssprache: In den letzten Jahren werden sowohl an Universitäten (auch außerhalb der eigentlichen Sprachfächer) als auch auf Fachhochschulen immer mehr Lehrveranstaltungen in Fremdsprachen angeboten (in erster Linie in Englisch). Neben den Anforderungen der Studienpläne (siehe (b) oben) dient dies im weitesten Sinn einer Internationalisierung", wobei dadurch vor allem auch (Gast-, Austausch-) Studierenden mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen Studienmöglichkeiten in Österreich geboten werden sollen; der zusätzliche Sprachlerneffekt für einen großen Teil der anderen Studierenden soll aber in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. (vgl. Rudolf de Cillia/ Teresa Schweiger (2001): English as a Language of Instruction at Austrian Universities. In: Ulrich Ammon (ed): The Dominance of English as a Language of Science. Effects on Other Languages and Language Communities. Berlin/ New York: Mouton de Gruyter: 363-387.)

An den Universitäten (in ihrer Gesamtheit) sind alle die in den oberen Punkten erwähnten Formen von Fremdsprachenpräsenz festzustellen, an Fachhochschulen und Pädagogischen Akademien sind einige der erwähnten Punkte weniger relevant.

Von sprachenpolitischer Bedeutung ist natürlich nicht nur die Einbindung von Fremdsprachen" ganz allgemein in die verschiedenen Studienrichtungen, sondern vor allem, welche Fremdsprachen (bis zu welchem Kompetenzgrad) überhaupt in den einzelnen Fällen angeboten werden (v.a. Punkt 1-3) und auch welche Maßnahmen gesetzt werden, um Studierende zur Erlernung von (bestimmten) Fremdsprachen zu bewegen. Dabei ist auch eine weitere Kategorisierung der Fremdsprachen erforderlich: EU- vs. Nicht-EU Sprachen, Nachbarsprachen", Regional- und Minderheitssprachen usw.

2. Neuere Entwicklungen

Aufgrund der Komplexität der Fremdsprachensituation an den Hochschulen und aufgrund auch schon ähnlicher bereits vorliegender Untersuchungen (siehe weiter unten) erschien es der Arbeitsgruppe weder durchführbar noch sinnvoll, in diesem Rahmen eine Ist-Erhebung aller vorhandenen Fremdsprachenangebote durchzuführen, sondern wir haben uns entschieden, auf der Basis von Gesprächen mit ExpertInnen und in Anlehnung an gerade feststellbare internationale Diskussionen eine sprachenpolitisch relevante Problem- bzw. Wunschliste im Hinblick auf den gegenwärtigen bzw. zukünftigen Fremdsprachenunterricht im Hochschulbereich zu erstellen.

Es fällt auf, dass in letzter Zeit die Tendenz besteht, die Hochschulen immer mehr auf deren eminenten sprachenpolitischen Auftrag hinzuweisen und zu einem dementsprechenden Bewusstwerdungsprozess beizutragen. Es geht also nicht nur darum, von den Hochschulen ganz konkrete sprachenpolitisch relevante Maßnahmen einzufordern, sondern sie selbst dazu zu bringen, sich auf sprachenpolitische Grundsatzerklärungen zu einigen und diese in ihren mission statements" offen zu legen.

In sprachenpolitischen Belangen von Universitäten besonders aktiv erweist sich der eng mit dem Europarat zusammenarbeitende European Language Council (ECL; http://www.fu-berlin.de/elc), der Ende Juni 2001 auch eine große Tagung in Berlin organisiert hat - nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Europäischen Jahr der Sprachen. Bei diesem Kongress war ein eigener Workshop der universitären Fremdsprachenpolitik gewidmet; wir dürfen dazu aus dem Tagungsprogramm zitieren (S. 21): Die Universitäten müssen zu Akteuren auf dem Gebiet der Sprachenpolitik werden und als solche in Politik, Wirtschaft und Berufswelt anerkannt werden. Hierfür ist es allerdings notwendig, dass die Universitäten sich selbst als Gebilde begreifen, die fähig sind, Entscheidungen auf dem Gebiet der Sprachenpolitik zu treffen, als Institutionen, die sich bewusst sind, welche Rolle sie spielen müssen, um auf sprachliche Situationen Einfluss zu nehmen. Für die meisten Universitäten ist dies eine neue Perspektive, weil sie die Sprachen bisher nicht als einen umfassenden Bereich betrachtet haben." Es sei in diesem Zusammenhang auch das entsprechende Reference Document" (in englischer oder französischer Sprache) verwiesen sowie auf den Entwurf einer Berliner Erklärung", die beide über die Homepage des ECL abrufbar sind.

Ein zentrales Anliegen der Arbeitsgruppe wäre daher auch, wie bereits erwähnt, die Ausformulierung sprachenpolitischer Grundsatzpositionen der einzelnen Hochschulinstitutionen, die allerdings in ein gesamtsprachenpolitisches Konzept (mit besonderer Berücksichtigung aller Bildungsorganisationen in ihrem Zusammenwirken) eingebunden werden müssten (siehe auch nächsten Abschnitt).

Bevor auf weitere Einzelaspekte eingegangen wird, sollen noch einige Aktivitäten erwähnt werden, die in letzter Zeit durchgeführt worden sind oder gerade durchgeführt werden. Ein Teil der Aktivitäten hängt mit dem bereits erwähnten ECL zusammen und wurden in Österreich von der Wiener Slawistikprofessorin J. Besters-Dilger koordiniert. Sie hat im Rahmen des Thematic Network Project 1" (1997-2000) eine Erhebung aller an österreichischen Hochschulen unterrichteten lebenden Sprachen durchgeführt, wobei allerdings Details der Frequenz und Niveaustufen nicht genau erfasst werden konnten. Für genauere Angaben siehe die ELC-Homepage (_ Projects) bzw. den uns vorliegenden Bericht Juliane Besters-Dilger 1998, La politique linguistique autrichienne dans l'enseignement supérieur". Frau Besters-Dilger hat in diesem Jahr einen weitere Fragebogenaktion koordiniert, in der es um quality enhancement"-Maßnahmen im universitären Fremdsprachenunterricht ging; wie noch zu zeigen sein wird, besteht auch hier ein Zusammenhang mit sprachenpolitischen Grundsatzentscheidungen. Martin Stegu (WU Wien) soll in Hinkunft in einem weiteren Thematic Project, der Curriculum Innovation Group, als Vertreter österreichischer Hochschulen mitarbeiten.

Schließlich soll auch auf die bereits vor einigen Jahren durchgeführte Studie "Verbesserung der Fremdsprachkompetenz" (1997-8, Projektleiter Prof. P. Bierbaumer) hingewiesen werden, die sich hauptsächlich mit dem Ist-Zustand der Fremdsprachausbildung der nicht-philologischen Universitätsinstitute befasste und im Vergleich mit privaten und halb-öffentlichen Sprachanbietern Verbesserungsmöglichkeiten wie z.B. die Gründung von Fremdsprachenzentren an allen Universitäten vorschlug.

Ganz aktuell ist hingegen das gerade laufende Projekt des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, das von Dr. David Newby (Graz) geleitet wird, und in dem es um die Dissemination der für den Universitätsbereich relevanten Arbeit des in Graz beheimateten Europäischen Fremdsprachenzentrums des Europarates sowie um die Bildung eines Forums von SprachlehrerInnen zur Dynamisierung des Fremdsprachenunterrichts an den Universitäten Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck geht. (Eine Ausweitung auf weitere Universitäten ist für eine weitere Projektphase geplant. Die Resultate werden noch vor Jahresende ins Internet gestellt. Info bis dahin: david.newby@kfunigraz.ac.at bzw. isabel.landsiedler@aon.at.

Schließlich sollen noch die Aktivitäten der Universität Wien erwähnt werden (Vizerektor Arthur Mettinger), wo gerade ein Sprachenzentrum" eingerichet worden ist, das das Gesamtfremdsprachenangebot der Universität koordinieren soll und ab SS 2002 Kurse anbieten wird. Zitat Webpage: Das Sprachenzentrum soll wesentliche Koordinations- und Entwicklungsaufgaben im Bereich der Forschung und Vermittlung europäischer Sprachen in ihren historischen, politischen und kulturellen Kontexten wahrnehmen. Um der geopolitischen Lage Österreichs gerecht zu werden, kommen den Sprachen der Nachbarländer ein besonderes Gewicht zu." Webpage: http://www.univie.ac.at/vr/Sprachenzentrum/

Der Sprachenzentrum-Beirat hat kürzlich seine Arbeit begonnen; eine Informationsbroschüre erscheint demnächst.

3. Forderungen und Desiderata

In diesem Abschnitt soll eine mehr oder minder offene Liste von Punkten, die unsere Arbeitsgruppe als Forderungen" bzw. Desiderata" ansieht (ohne dass auf jeden dieser Punkte in aller Ausführlichkeit eingegangen werden kann):

  1. Gesamtösterreichisches sprach(en)politisches Konzept: Sprachenpolitische Entscheidungen von Hochschulen sollten nicht isoliert erfolgen, sondern müssten in ein Gesamtkonzept eingebunden werden. In diesem Zusammenhang erscheint auch die Einrichtung einer zentralen österreichischen sprachenpolitischen Koordinierungsstelle wünschenswert. Ein derartiges Gesamtsprachenkonzept könnte u.a. auch verhindern, dass das Angebot an den tertiären Bildungseinrichtungen den Bedürfnissen des primären und sekundären Sektors nicht entspricht (z.B. fehlende Ausbildungsgänge wie Lehramt für Türkisch, mangelnde Diversifizierung der Fremdsprachenausbildung an PädAks).

  2. Das erwähnte sprachenpolitische Gesamtkonzept soll in Abstimmung mit internationalen (europäischen und weltweiten) Entwicklungen und Initiativen erfolgen. Dabei ist dafür zu sorgen, dass die entsprechenden Ergebnisse nicht irgendwo auf ExpertInnen-Ebene hängen bleiben, sondern entsprechend weitergegeben werden (Stichwort: Dissemination) (Vgl. auch Punkt 8).

  3. Die einzelnen Universitäten und Hochschulen sollten explizite Aussagen zu ihrer Sprachenpolitik in ihre Leitbilder aufnehmen.

  4. Angesichts der sich immer mehr konkretisierenden Autonomie der Universitäten ist auch angesichts sprachenpolitischer Fragen eine verstärkte Zusammenarbeit und Vernetzung der relevanten ExpertInnen und Institutionen vorzusehen, sowohl bei der Erarbeitung von Konzepten als auch bei konkreten Maßnahmen (Stichwort: interuniversitäre Sprachenzentren).

  5. Auch wenn die Rolle des Englischen unbestritten ist, sollte in allen Ausbildungsstätten des tertiären Bereichs - mit entsprechenden Folgewirkungen auf den sekundären und primären Bereich - auf entsprechende Vielfalt Wert gelegt werden. In diesem Zusammenhang sollte auch die Liste der Lehramtssprachen" erweitert werden (Vgl. Punkt 1: z.B. Türkisch).

  6. Der Sprachenunterricht im tertiären Sektor sollte eigentlich in jeder Hinsicht Avantgarde sein (gerade auch bezüglich der eingesetzten fremdsprachendidaktischen Methoden), daraus ergeben sich ganz besondere Erwartungen bezüglich Qualitätssicherung und Evaluation. So gibt es aber bis heute eigentlich keine institutionalisierte Möglichkeit von Aus- und Weiterbildung sowie Erfahrungsaustausch für Fremdsprachenlehrende an Hochschulen (vergleichbar mit entsprechenden Aktivitäten im Sekundarschul- oder Volkshochschulbereich). (Es gibt nur vereinzelte Maßnahmen, etwa jährliche Fortbildungsseminare für Französisch-Lektorinnen durch die Kulturbehörden der Französischen Botschaft.) Wir fordern somit ein Weiterbildungs- und Kontaktforum für alle an Hochschulen unterrichtenden FremdsprachenlehrerInnen. (siehe Grazer Projekt unter 2))

  7. Eine Forderung, die nicht nur dem Unterricht an Hochschulen zugute käme, betrifft ganz allgemein eine stärkere Verankerung fachsprachlicher Elemente in der Ausbildung von Fremdsprachenlehrenden.

  8. An den meisten philologischen" Instituten laufen die (angewandt-) linguistische Forschung und die Sprachausbildung völlig parallel und unabhängig voneinander; es sollte zu einer gezielten Förderung von Wechselwirkungen bzw. gegenseitiger Befruchtung von Sprachlehrforschung und Unterrichtspraxis kommen bzw. zu einer verstärkten Förderung der Sprachlehrforschung in den Institutionen der Lehreraus- und fortbildung. Weiters wäre eine Ausbildung der LehrerInnen nicht mehr nur als Lehrer für eine bestimmte Sprache, sondern als ExpertInnen für Mehrsprachigkeit" (Hans-Jürgen Krumm) wünschenswert.

  9. Ganz konkret sollte auch im österreichinternen Sprachenunterricht die Anbindung an internationale Standards (Europarat) erfolgen; Stichworte: rezeptive Mehrsprachigkeit, lebenslanges Lernen, neue Medien, Sprachenportfolio usw.

  10. Ein wesentliche Forderung betrifft die größere Einbindung bzw. den höheren Stellenwert von Fremdsprachenkenntnissen (und auch von Sprachbewusstheit) von Studierenden auch in Studienrichtungen, in denen Sprachunterricht nicht Teil des Studienplans ist. Auch bei einem gewissen Verständnis für bisweilen notwendige Einsparungsmaßnahmen dürfen es nicht die Fremdsprachenkurse sein, die als erste geopfert werden. Gerade angesichts der Einführung von Studiengebühren sollen alle Studierenden auch Recht auf fremdsprachliche Weiterbildung innerhalb der Hochschule haben (im Rahmen eines bestimmten Stundendeputats, nicht in Massenkursen" und auch in qualitativ hochwertiger Form, vgl. den an einer Anzahl deutscher Universitäten für HörerInen aller Fakultäten" bereits eingeführten einheitlichen Standard des UniCERT-Systems).

  11. Den Universitäten kommt auch eine besondere Aufgabe in der Unterstützung und Vorbereitung auf das weitere lebenslange" und autonome (Fremdsprachen-) Lernen ihrer AbsolventInnen zu. Dabei ist auch für einen geeigneten Einsatz Neuer Medien bzw. auch für weiterbildende Kursangebote über das Internet (Stichwort: Virtuelles Sprachlabor") zu sorgen.

  12. Den vielen Studierenden nicht-deutscher Muttersprache, die ja eine außergewöhnliche Bereicherung für die Idee einer mehr- und vielsprachigen Universität darstellen (siehe auch Punkt 13), soll nicht nur vor, sondern auch während des Studiums eine adäquate Weiterbildung in der deutschen Sprache garantiert werden.

  13. Unsere Universitäten müssen ganz allgemein viel mehrsprachiger" werden und ihren monolingualen (= deutschsprachigen) Habitus" ablegen. Hier spielt die verstärkte Einführung fremdsprachiger Lehrveranstaltungen in allen Studienrichtungen eine große Rolle, von denen sowohl in- als auch ausländische Studierende sehr profitieren könnten.