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Koordination: Rudolf Muhr (muhr@gewi.kfunigrza.ac.at) und Richard Schrodt (richard.schrodt@univie.ac.at) Beim vorliegenden Bericht handelt es sich um eine Zusammenfassung einer Aussendung, die an Personen erging, die im Bereich der Auslandkulturvermittlung tätig sind sowie an WissenschaftlerInnen, die zum Österreichischen Deutsch (ÖDt.) publiziert haben. Die Ergebnisse dieser Befragung wurden von den Koordinatoren ergänzt. 1."Österreichisches Deutsch" (ÖDt.) als Begriff der plurizentrischen SprachauffassungDie Sprache "Deutsch" wird in § 7 der österreichischen Bundesverfassung explizit als Staatssprache der Republik Österreich genannt. Der Begriff "Österreichisches Deutsch" ist als solcher rechtlich nicht verankert. Er wurde erst Anfang der 90-er Jahre üblich, nachdem sich aufgrund der Arbeiten von M. Clyne (1984, 1992 u.a.) innerhalb der Germanistischen Sprachwissenschaft allmählich die Erkenntnis durchsetzte, dass Deutsch eine plurizentrische Sprache mit mehreren nationalen Varietäten ist, deren eine davon das ÖDt. ist. Damit wird ein Paradigmenwechsel in der Sprachkonzeption vollzogen, der die zuvor gültige monozentrische Sprachauffassung (ein Zentrum, zwei Nebenvarianten) durch die plurizentrische (drei gleichberechtigte Zentren) ersetzte. 2. Die gegenwärtige Situation des Österreichischen Deutsch (ÖDt.)Dieser Wechsel in der Sprachauffassung hat - sofern man sich auf die daraus resultierenden Schlussfolgerungen einlässt - eine Reihe von theoretischen und praktischen Auswirkungen auf den Umgang mit und die Einschätzung von Sprachvarianten und Sprachvariation in Österreich. Die wohl wesentlichste ist, dass das ÖDt. als linguistische und soziale Realität anerkannt wird. Die anderen Varietäten des Deutschen (des Deutschländischen Deutsch [DDt.] und des Schweizerischen Deutsch [CHDt.]) haben damit auf dem Gebiet der Republik Österreich nur eingeschränkte Gültigkeit.
2.1. Intensiver Sprachkontakt zu den Nachbarvarietäten - besonders aber zum DDt.
2.2. Geringe Verankerung des Österreichischen Deutsch im Bewusstsein der österreichischen Bevölkerung - Fehlen eines ausgeprägten österreichischen Sprachbewusstseins Auch die Mehrzahl der befragten Wissenschaftler und Kulturvermittler äußern sich in diesem Sinne. Exemplarisch wird formuliert: "Es gibt ein starkes österreichisches National- und Sonderbewusstsein, aber kein Sprachbewusstsein." Dies gilt nicht für sog. umgangssprachliche und dialektale Varianten, die relativ stark bewusst sind, wohl aber für die Standardsprache österreichischer Prägung. Die Vorstellung, dass die hochsprachliche Varietät des ÖDt. als eigenständige Varietät des Deutschen anzusehen ist, ist nur den wenigsten bewusst. In diesem Bereich erfolgt eine weitgehende Orientierung an der deutschländischen Außennorm - mit dem Duden als Nachschlagewerk und dem Fernsehen als Orientierungsrahmen in Bezug auf akzeptables Sprechen.
2.3. Mangelndes Wissen über die Merkmale des eigenen Deutsch bei der Bevölkerung und der Lehrerschaft
2.4. Unklarheit über den Status und das Prestige des Österreichischen Deutsch
2.5. Der Mangel an zuverlässigen Nachschlagewerken - Die eingeschränkte Stellung des Österreichischen Wörterbuchs
2.6. Das Fehlen österreichischer Sprachkorpora
2.7. Die Nichtverankerung des Österreichischen Deutsch in den Studienplänen der Lehramtsstudien an Universitäten und PÄDAKs Lehrveranstaltungen zu diesem Themenbereich finden regelmäßig in Wien, Graz und Klagenfurt, gelegentlich in Salzburg und Innsbruck statt. An den Pädagogischen Akademien fehlen entsprechende Lehrangebote völlig. 3. Mögliche Maßnahmen zur Veränderung der Situation des Österreichischen Deutsch - Maßnahmen zur Hebung des Wissens über das ÖDt.Aus den Stellungnahmen ging hervor, dass an der Existenz des ÖDt. und seiner wichtigen sozialen Funktion für das Österreichbewußtsein kein Zweifel besteht. Die Befragung ergab darüber hinaus eine Reihe von Maßnahmen, über die weitgehender Konsens besteht. Zweifelsohne ist das fehlende Wissen über die Merkmale des ÖDt. für die meisten ÖsterreicherInnen die wichtigste Quelle für Normunsicherheiten und die Hauptursache für die unbefangenen Anerkennung der eigenen Standardvariante. Es erscheint daher sinnvoll, das Wissen der Sprechergemeinschaft über das eigene Deutsch zu erhöhen, da dies zugleich wesentlich zur Hebung des Prestiges der eigenen Varietät und damit zur Sprachloyalität beiträgt. Folgende Maßnahmen scheinen dafür geeignet:
3.1. Die Darstellung des ÖDt. in den Deutschlehrbüchern:
3.2. Die Verankerung des ÖDt. in den Deutschlehrplänen und in den Studienplänen für das Studium der Deutschen Philologie und an den Pädagogischen Akademien: Voraussetzung für die Verankerung des ÖDt. in den Deutschlehrbüchern ist aber die Schaffung einer entsprechenden gesetzlichen Grundlage. Dazu muss das ÖDt. als Unterrichtsthema in die Deutschlehrpläne aller Schulstufen und Schultypen aufgenommen werden. Dasselbe gilt für die Ausbildung von DeutschlehrerInnen und Germanisten an Universitäten und Volks- und HauptschullehrerInnen an den PÄDAKs: Das ÖDt. sollte fixer Bestandteil des Pflichtteils der jeweiligen Studienpläne werden, damit künftige DeutschlehrerInnen eine sachgerechte Darstellung der sprachlichen Verhältnisse in Österreich und im gesamten deutschsprachigen Raum geben können.
3.3. Die Vermittlung von Wissen über das ÖDt. und Deutsch als plurizentrische Sprache an DeutschlehrerInnen im Rahmen von Fortbildungsseminaren: 3.4. Die Verstärkung der Kodifikationsbemühungen Wie weiter oben ausgeführt, fehlen über eine Reihe sprachlicher Ebenen (Aussprache, Grammatik, usw.) des ÖDt. entsprechende linguistische Untersuchungen und damit entsprechendes Wissen, um zuverlässige Aussagen über die Sprachverhältnisse in Österreich machen zu können. Es erscheint daher naheliegend die Kodifikations- und Forschungsbemühungen zu verstärken. Von den meisten Beiträgern wird die Verstärkung der Kodifikationsbemühungen durchaus befürwortet, von einigen jedoch nur mit Einschränkungen, während einige wenige dies für problematisch halten. Dabei wird auf die Ost-West-Problematik hingewiesen bzw. davor gewarnt, zuviel sog. "Umgangssprachliches" zu österreichischer Hochsprache zu erklären. Ohne Zweifel bedarf jede Kodifizierung der gründlichen und genauen Beschreibung, wie die einzelnen sprachlichen Elemente regional, sozial oder in kommunikativ-pragmatischer Hinsicht verwendet werden.
3.5.Die Verstärkung der Forschung zum Österreichischen Deutsch In Hinblick darauf, dass weiter oben ein erheblicher Mangel an Sprachwissen bei LehrerInnen und Bevölkerung festgestellt wurde und gleichzeitig noch weite Bereiche des ÖDt. hinsichtlich seiner differenzierenden Eigenmerkmale unerforscht sind, scheinen erhöhte Forschungsanstrengungen jedoch sicherlich notwendig, um dem ÖDt. eine gesicherte wissenschaftliche Basis geben zu können.
3.6. Die Erstellung von Sprachkorpora zum Österreichischen Deutsch
4. Mögliche Maßnahmen zur Veränderung der Situation des Österreichischen Deutsch - Maßnahmen zur Hebung des Prestiges.Direkte Maßnahmen zur Hebung des Prestiges des ÖDt. in Form irgendwelcher Informationskampagnen sind weder machbar noch sinnvoll. Die sicherste und effizienteste Maßnahme zur Hebung des Prestiges des ÖDt. ist vermutlich die Verstärkung des Wissens über das Konzept der plurizentrischen Sprachen und der Merkmale des ÖDt. Über die unter Punkt 3 beschriebenen Maßnahmen hinaus scheinen noch folgende Maßnahmen sinnvoll, die vor allem die Außenwirkung des ÖDt. und seines Prestiges im Ausland sowie die Hintanhaltung des Einflusses der Fernsehsprache betreffen:
4.1. Die Darstellung des Österreichischen Deutsch im Rahmen von Fortbildungsseminaren für MultiplikatorInnen und DaF-DeutschlehrerInnen im Ausland
4.2. Die Synchronisierung von Filmen und Serien im Österreichischen Deutsch Wie Untersuchungen gezeigt haben, finden österreichische Filme auch bei der Jugend großen Zuspruch. Es ist daher zu erwarten, dass dies auch in Bezug auf die Synchronisierung der Filme der Fall sein wird, da man dann als Fernsehkonsument mit vertrauter Sprache und Ausdrucksweise konfrontiert ist. Allerdings ist die Durchführung einer derartigen Maßnahme völlig vom entsprechenden Budgetrahmen des ORF und den dadurch entstehenden Kosten abhängig. |